Das Tanztheater

Das Tanztheater

Tanztheater – wie Pina Bausch die Tanzwelt revolutionierte

Tanztheater ist ein Begriff, der bei den meisten Leuten zunächst nur Fragezeichen aufwirft. Zwar sind die Worte „Tanz“ und „Theater“ allgemein bekannt, doch unter „Tanztheater“ als solches können sich die wenigsten etwas Konkretes vorstellen. Tatsächlich steckt hinter der zeitgenössischen Bühnenkunst noch viel mehr als eine Kombination aus beidem.

Das Tanztheater bezeichnet einen Tanzstil, die in den 1970er Jahren primär in Deutschland entstanden ist. Besonders geprägt wurde der Begriff von der deutschen Tänzerin und Choreografin Pina Bausch, die dem deutschen Tanztheater auch ihre mittlerweile weltweite Bekanntheit brachte. Ihr Wuppertaler Tanztheater ist bis heute das bekannteste seiner Art. Aber auch Choreografen wie Reinhild Hoffmann, Susanne Linke, Gerhard Bohner und der Österreicher Johann Kresnik spielten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Tanzstils.

Als Gegenbewegung zum klassischen und traditionsbasierten Ballett wird Tanztheater als eine Weiterentwicklung des Ausdruckstanzes gesehen. Der zeitgenössische Tanzstil wurde aber nicht nur von der Kunst, sondern auch ausgeprägt von der Gesellschaft und Politik inspiriert. Besonders die 68er Bewegung, die eine soziale Bewegung der Neuen Linken in den 60er Jahren war, hatte Einfluss auf das heutige Tanztheater.

Was das Tanztheater von Ballett und Co. abhebt

Klassisches Ballett zeichnet sich sowohl in seiner Ästhetik als auch inhaltlich besonders durch seine klaren Strukturen, seine Harmonie und sogar seine Disziplin aus. Das Tanztheater bricht mit eben dieser geregelten Stilistik. Vom Ausdruckstanz hingegen hebt sich das Tanztheater zumindest ästhetisch weniger ab. Vielmehr ist es eine stilistisch radikalere Weiterentwicklung des Ausdruckstanzes, die sich noch stärker an Assoziationen und Situationen aus dem Alltag orientiert.

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Anders als bei vielen Tanzstilen, gibt es beim Tanztheater jedoch keine traditionellen Vorgaben oder ähnliches, weshalb der Choreograf freier handeln kann und auch fürs Tanztheater untypische Elemente einbringen kann. Deshalb sind die damit verbundenen ästhetischen Prinzipien zwar typisch, nicht aber verpflichtend. Beim Tanztheater gibt es in der Regel keine klassische Handlung, durch die eine Geschichte erzählt wird. Hier wird die Handlung eher mit dem damit verbundenen Gefühl kombiniert und abstrakt dargestellt. Es geht dabei vor allem um die eigene Intuition und lässt sowohl dem Tänzer als auch dem Zuschauer Raum für Interpretationen.

Außerdem funktioniert Tanztheater, im Gegensatz zu Theater oder Ballett, ohne jegliche Hierarchien. Die Tänzer nehmen weniger eine Rolle ein, sondern verkörpern gleichwertige, oftmals namenlose, Charaktere. Teilweise wird der tänzerische Aspekt durch Sprache unterstützt, jedoch häufig weniger in Form von Dialogen zwischen den Charakteren oder handlungsunterstützenden Erzählungen, sondern als unabhängige Textelemente und Statements.

Bezüge zum Menschen und der Gesellschaft

Das Tanztheater wird neben dem Alltag und der Gesellschaft auch häufig von der Psyche und den Emotionen des Menschen inspiriert. Es nutzt Bewegung als Sprache und Ausdrucksmittel und greift Assoziationen auf und abstrahiert diese. Tanztheater arbeitet damit unkonventionell, ehrlich und unperfekt zu sein. Häufig zielt es damit darauf ab, nahbar zu sein und den Zuschauer emotional zu erreichen.

Nicht selten übt ein Choreograf durch seine Stücke auch Kritik an gesellschaftlichen oder zeitgenössischen Themen aus. Mit dieser Art künstlerischer und tänzerischer Rebellion spiegelt es seinen Ursprung, den der politischen Bewegungen, wider. Tanztheater soll den Zuschauer nicht nur unterhalten oder bespaßen, sondern anregend sein, Gedanken oder Gefühle in ihm auslösen und ihn manchmal sogar aus seiner Komfortzone locken. Es kann kritisch, extrem oder sogar provokativ sein.
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